Strafverfahren stellen für Betroffene in der Regel eine große Belastung dar: Kontakt mit der Polizei, Vorladung zur Vernehmung, die Ungewissheit wie es weitergeht oder Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen wie Vorstrafe, Geldstrafe oder gar dem Gefängnis.

Dabei kann es im Strafrecht sprichwörtlich JEDEN TREFFEN, da es kaum einen Lebensbereich in Deutschland gibt, der nicht auch mit irgendeiner Strafnorm sanktioniert wäre, angefangen vom fahrlässigen Verkehrsunfall bis hin zur vergessenen Steuerangabe oder alkoholbedingter “Dummheit”.

Wer ins Visier strafrechtlicher Ermittlungen gerät sollte allerdings unbedingt anwaltlichen Rat einholen. Denn in keinem anderen Rechtsgebiet bestehen so viele Beweisprobleme (zumal der Großteil aller Straftaten nur vorsätzlich begangen werden kann – die Ermittlungsbehörden dem Beschuldigten also nachweisen müssen, was er in der konkreten Tatsituation gedacht / gewusst hat s.u.). Hinzu kommen große Ermessensspielräume hinsichtlich des weiteren Ablauf des Strafverfahrens, hält man sich allein die weit gefassten Rechtsfolgen vor Augen, die das Strafrecht vorsieht: Von der Verfahrens-Einstellung mit oder ohne Geldauflage, über das schriftliche Strafbefehlsverfahren, bis hin zu Freispruch, Absehen von Strafe, Verwarnung oder Freiheitsstrafen von wenigen Monaten bis zu vielen Jahren – mit oder ohne Bewährung.

Mit anderen Worten: Der Ausgang eines Strafverfahrens ist meist offen, allerdings steht und fällt der Erfolg mit dem richtigen Vorgehen.

Trotzdem scheuen viele den Gang zum Anwalt – entweder, weil sie die Vorwürfe nicht ernstnehmen oder schlicht die Konsequenzen eines Strafverfahrens nicht kennen (Stichwort: Eintrag ins Bundeszentralregister und Führungszeugnis, Mitteilungen der Staatsanwaltschaft an andere Behörden mit daraus resultierender Folgeverfahren oder disziplinarischer Konsequenzen etc.).

Nicht selten wird aus falschem Vertrauen in Polizei und Justiz sogar auf einen positiven Verfahrensausgang vertraut oder dass sich die Sache schon irgendwie aufklären und gut ausgehen wird.

Wiederum andere resignieren schlicht unter dem Druck des Strafverfahrens und stehen zu ihrer „Schuld“ oder finden sich mit den ihn drohenden Konsequenzen ohne differenzierte Auseinandersetzung mit ihren Rechten und juristischen Möglichkeiten schlicht ab.

Dabei ist es angesichts der großen Ermessensspielräume und meist offenen Ausgang im Strafrecht essentiell, juristischen Rat einzuholen und insbesondere nicht ohne fachanwaltliche Rücksprache irgendwelche Aussagen gegenüber Polizei oder anderen Behörden zu machen.

Denn wie oben angedeutet: Die Strafbarkeit der meisten Delikte hängt vor allem von dem subjektiven Wissen des Beschuldigten ab (sog. Vorsatz), also insbesondere davon, was er zum Zeitpunkt des angeschuldigten Delikts gedacht oder gewollt hat oder hätte erkennen können.

Mit anderen Worten: Polizei und Staatsanwaltschaft sind bei der strafrechtlichen Bewertung sehr häufig auf die Aussage des Beschuldigten angewiesen, um überhaupt erst eine konkrete strafrechtliche Bewertung treffen zu können (Schon allein deshalb lässt sich erst nach einer eingehenden anwaltlichen Beratung klären, ob es Sinn macht gegenüber den Ermittlungsbehörden auszusagen).

Leider vertrauen gerade zu Beginn strafrechtlicher Ermittlungen viel zu viele Betroffene auf ihre eigenen Fähigkeiten das “selbst regeln zu können” – mit fatalen Folgen: Denn z.B. eine einmal getätigte Aussage bekommt man nicht mehr aus den Ermittlungsakten – und eine scheinbar raffinierte “Notlüge” kann sich später als ausschlaggebend für einen negativen Verfahrensausgang erweisen.

Neben den großen beweisrechtlichen Schwierigkeiten im Strafrecht gibt es aber auch im Falle des substantiellen Tatnachweises zahlreiche Möglichkeiten ein Strafverfahren außergerichtlich zu beenden (Verfahrenseinstellung, Einstellung gegen Geldauflage, Strafbefehl, Nichteröffnung des Verfahrens, Verweis auf den Privatklageweg etc) die allerdings nur mit fachanwaltlichem Rat effektiv durchgesetzt werden können.

Insbesondere weiß regelmäßig nur der Anwalt um die typischen Schwächen des Justizsystems (strafprozessuale Hürden, materiell rechtliche Probleme, Arbeitsüberlastung etc.) und kann diese gezielt zum Vorteil seines Mandanten auszunutzen.

Auch können sog. Deals, also Verständigungsgespräche mit den Ermittlungsbehörden über eine einvernehmliche“ Beendigung des Verfahrens nur unter Juristen erörtert werden (Staatsanwalt, Anwalt und ggf. Richter), wobei auch hier die anwaltliche Erfahrung zeigt, dass die Verständigungsbereitschaft angesichts der chronischen Arbeitsüberlastung der Justiz extrem hoch ist.

Aber auch dann, wenn ein Strafverfahren noch gar nicht anhängig ist, weil die Strafverfolgungsbehörden noch nicht eingeschaltet sind oder von dem Verdacht schlicht noch nichts wissen, empfiehlt sich im Falle von im Raum stehenden Straftaten einen spezialisierten Anwalt aufzusuchen. So lässt sich bereits im Vorfeld klären ob strafrechtliche Ermittlungen drohen und wenn ja, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist und diese gegebenenfalls abgewendet oder zumindest abgeschwächt werden können.

Bevor man jedoch einen Anwalt beauftragt empfiehlt es sich dringend einen auf das jeweilige strafrechtliche gebiet spezialisierten Anwalt herauszusuchen und zunächst eine Erstberatung einzuholen. Denn wie gezeigt kennt kaum ein anderes Rechtsgebiet so viele unterschiedliche Konsequenzen und Varianten der Verfahrensbeendigung wie das Strafrecht.

Gerade weil das Strafverfahren ein solch großes Spektrum an möglichen Szenarien und vor allem großen Ermessensspielräumen vorsieht, sind Kompetenz und Erfahrung des Anwalts essentiell – ähnlich wie beim Arzt. Im Strafrecht steht und fällt der Erfolg mit der Wahl des Anwalts.

Im Wege der Erstberatung kann der Ratsuchende den Anwalt persönlich kennenlernen, kritische Nachfragen stellen und dessen Expertise, Erfahrung und sich so ein eigenes Bild von Kompetenz und Erfahrung des Anwalts machen.