Praxishandbuch Sexualstrafrecht

Sexualdelikte sind spätestens seit den Reformbestrebungen des Gesetzgebers und der sog. „Nein heißt Nein“ Debatte in den besonderen Fokus des Strafrechts geraten. Zwar waren Vorwürfe im Bereich von sexuellem Missbrauch und sexueller Nötigung auch schon zuvor mit komplexen prozessrechtlichen wie prozessstrategischen Problemen  für alle Verfahrensbeteiligten verbunden, seit der Gesetzesreform sind jetzt aber auch erhebliche Probleme bei der Anwendung des Rechts hinzugekommen.

Dabei gehört das Sexualstrafrecht mittlerweile zu den komplexesten Bereichen des Strafrechts, in welchem nicht nur fachliches Spezialwissen in Bezug auf das materielle und strafprozessuale Recht von Nöten ist, sondern vor allem auch interdisziplinäre Kenntnisse, insbesondere bei der (Aussage)Psychologie, der forensischen IT, (Rechts)Medizin und nicht zuletzt auch in Bezug auf den Umgang mit den Medien vorausgesetzt werden, um eine effektive und suffiziente Vertretung des Mandanten zu gewährleisten.

Ob Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, Nötigung, Vergewaltigung oder Missbrauch sowie Jugend- und Kinderpornographie bzw. Cyber-Grooming, Sexting, Posing und Sextortion: Die Strafen im Sexualstrafrecht fallen überdurchschnittlich hoch aus, nicht selten aufgrund einer falschverstandenen Schutz-Hysterie und einem gesellschaftspolitischen Verurteilungsdruck. Gleichzeitig drohen dem Beschuldigten einer Sexualstraftat aber auch schwere außergerichtliche Konsequenzen, wie öffentliche Bloßstellung, strengere Maßstäbe bei der Eintragung ins Führungszeugnis oder gravierende Auswirkungen auf Berufs- und Privatleben, Stichwort Durchsuchung und vorläufige Festnahme.

Umso wichtiger ist es gerade bei Sexualstrafverfahren, drohende Nachteile, strafprozessuale Maßnahmen und gerichtliche Entscheidungen, mit allen rechtlichen Mitteln weitestgehend zu verhindern, abzuwenden oder zumindest abzuschwächen – dies unabhängig von Schuld oder Unschuld bzw. von der Frage der Nachweisbarkeit. Denn gerade bei den Sexualstrafverfahren, wo oftmals erhebliche Beweisprobleme bestehen (Stichwort: Aussage gegen Aussage) bzw. es häufig auf reine Rechtsfragen ankommt (z.B. Speicherung von Kinderpornographie im sog. Cache), ist der Ausgang des Strafverfahrens meist offen. In kaum einem anderen Teilgebiet des Strafrechts kommt es daher so sehr auf Fachwissen und Erfahrung des anwaltlichen Beistandes an. Und dennoch wird weder im Studium, noch in der Ausbildung das Sexualstrafrecht unterrichtet. Ebenso gibt es wenig Literatur zu der komplexen Materie.

Das Werk richtet sich also insoweit an Praktiker und soll Richtern, Staatsanwälten und Anwälten als Hilfestellung, Nachschlagewerk und Ratgeber in der komplexen und bis dato sehr stiefmütterlich behandelten Materie des Sexualstrafrechts dienen.

Termin zur Veröffentlichung ist Juni 2019; Herausgeber und Autoren sind Staatsanwälte, Universitätsdozenten und Prozessanwälte mit langjähriger wissenschaftlicher aber vor allem auch praktischer Erfahrung auf dem Gebiet des Sexualstrafrechts.

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Dr. Alexander Stevens (Herausgeber) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht sowie Dozent für Sexualstrafrecht u.a. an den Universitäten München und Regensburg sowie der deutschen Richterakademie. Dabei war Stevens einer der ersten Anwälte, die sich ausschließlich auf das Sexualstrafrecht spezialisiert haben was ihn aufgrund der damit einhergehenden sehr hohen Bearbeitungszahl von Fällen im Sexualstrafrecht zu einem der erfahrensten Spezialisten im Bereich der Sexualdelikte macht.

Mathias Braumandl (Herausgeber) ist stellvertretender Leiter der Abteilung für Jugend- und Jugendschutzdelikte bei der Staatsanwaltschaft München II. Nach seinem Studium in München ist er seit 2005 bei der Justiz tätig und war sowohl als Staatsanwalt bei den Staatsanwaltschaften München II und Memmingen, als auch das Strafrichter und Vorsitzender des Schöffengerichts am Amtsgericht München mit Sexualstraftaten, insbesondere auch spezialisiert auf Jugendschutzdelikte, befasst. Seit 2014 unterrichtet Braumandl Strafrecht an der Bayerischen Justizakademie.