Ungenügende Prüfung zur Aussageentstehung des mutmaßlichen Opfers

Auf die Revision der Kanzlei stevens betz müller zenger GbR wird das Urteil wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener (sexuelle Handlungen an einer Person unter 18 Jahren, die zur Erziehung anvertraut ist) mangels ausreichender Begründung der Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses aufgehoben. Denn die Strafvorschrift des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlene bis zum 18. Lebensjahr nur dann schützen, wenn die sexuellen Handlungen gerade unter Missbrauch einer aus dem festgestellten Obhutsverhältnis resultierenden Abhängigkeit des Schutzbefohlenen vorgenommen werden. Ein Missbrauch der Abhängigkeit liegt nur dann vor, wenn der Täter seine Macht und Überlegenheit in einer für den Jugendlichen erkennbar werdenden Weise als Mittel einsetzt, um sich diesen gefügig zu machen.

Die pauschale Feststellung eines solchen Missbrauchs reicht nicht, vielmehr muss einzelfallbezogen genau dargelegt werden, ob und wie sich die mit dem Erziehungsverhältnis verbundene Abhängigkeit auf die jeweilige Vornahme der sexuellen Handlungen ausgewirkt hat. Darüber hinaus muss auch der erforderliche Zusammenhang zwischen Abhängigkeitsverhältnis einerseits und der jeweiligen Vornahme von sexuellen Handlungen andererseits zum Ausdruck kommen.