Erfolgreiche Revision: kein sex. Missbrauch durch Arzt

Keine Strafbarkeit wenn sich Arzt und Patient „auf Augenhöhe“ begegnen 

Auf die Revision der Kanzlei stevens betz müller zenger GbR wird das Urteil gegen einen Arzt, der wegen sexuellen Missbrauchs an einer Patientin verurteilt wurde, aufgehoben. Denn nicht jeder sexuelle Kontakt im Rahmen eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses ist per se strafbar. Vielmehr muss die besondere Schutzbedürftigkeit des Patienten durch die bestehende Vertrauens- und Abhängigkeitsbeziehung missbraucht werden.

Nur wenn z.B. ein Arzt seine Autoritäts- oder Vertrauensstellung gegenüber dem Opfer zur Vornahme der sexuellen Handlung ausnutzt macht er sich strafbar. Denn der sexuelle Missbrauch setzt die Wahrnehmung einer Chance voraus, die der Täter nur aufgrund des Vertrauensverhältnis hat.

Ein Missbrauch liegt deshalb NICHT vor bei einvernehmlichen sexuellen Handlungen des Ehepartners oder Lebensgefährten und auch nicht bei einer von dem Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnis unabhängigen Liebesbeziehung”. Ebenso wenig wenn man sich im Rahmen einer lockeren freundschaftlichen Beziehung oder aufgrund der beruflichen Stellung und Persönlichkeit des Opfers „auf Augenhöhe” begegnet und der Entschluss, mit dem Arzt sexuell zu verkehren, nicht auf wesentliche (krankheitsbedingte) Willensmängel zurückzuführen ist.

 

2019-02-15T07:04:21+00:00