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Exhibitionismus und exhibitionistische Handlungen
Rechtsanwalt Alexander Stevens

Es ist nach deutschem Recht schwierig sich wegen exhibitionistischer Handlungen strafbar zu machen. Die Anforderungen sind in der Theorie hoch, gerade weil nicht jedes Entblößen des männlichen Geschlechtsteils sofort zu einer Strafbarkeit führen soll. In der Praxis aber neigen nicht nur Polizisten und Staatsanwaltschaften, sondern auch Gerichte dazu, eine strafbare Exhibitionistische Handlung anzunehmen, obwohl die rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind:

1. Nur die erfolgreiche exhibitionistische Handlung ist strafbar:

Der Straftatbestand des Exhibitionismus soll das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung schützen. Bei exhibitionistischen Handlungen macht der Täter die andere Person zu einem unfreiwilligen Teilnehmer an einem sexuellen Geschehen. Allerdings ist die Strafwürdigkeit bei einer nicht auf Körperkontakt angelegten unfreiwilligen Rolle wesentlich geringer. Da die Belästigung eines anderen erforderlich ist, was voraussetzt, dass tatsächlich die Privatsphäre und das Recht auf Selbstbestimmung einer bestimmten anderen Person verletzt wurden, handelt es sich um ein sog. Erfolgsdelikt, das bedeutet, die andere Person muss die exhibitionistische Handlung zunächst einmal überhaupt wahrgenommen haben.

Beispiel:

Ein Mann der seinen Penis in der U-Bahn entblößt, aber dabei von keinem Fahrgast wahrgenommen wird, macht sich nicht wegen Exhibitionismus strafbar

2. Täter einer exhibitionistischen Handlung kann nur ein MANN sein!

Aller Gleichbehandlungsgrundsätze trotzend, bestraft das Gesetz ausschließlich Männer. Opfer hingegen können sowohl Frauen als auch Männer sein.

Beispiel:

Eine Frau die ihren Rock an einer vollbestzten Bushhaltestelle hebt und ihre Vagina präsentiert macht sich nicht wegen Exhibitionismus strafbar

3. Was ist eine exhibitionistische Handlung?

Eine exhibitionistische Handlung erfordert das Entblößen des (nicht notwendigerweise erigierten) Penis vor einer anderen Person, wobei sich der Täter durch das Vorzeigen seines entblößten Gliedes oder zusätzlich durch die Beobachtung der Reaktionen des anderen sexuell erregen, seine sexuelle Erregung steigern oder sich (evtl. durch Masturbation) befriedigen wollen muss!

Nicht erforderlich ist, dass der Täter, wenn er in dieser Weise sexuell motiviert ist, tatsächlich Lustgewinn erzielt.

Exhibitionistische Handlung = Zeigen des Penis + um sich zu befriedigen!

Das Vorzeigen eines Imitats des männlichen Gliedes reicht hierzu nicht aus.

Um festzustellen, ob der Täter sich durch das Vorzeigen seines Gliedes befriedigen wollte ist entscheidend, ob aus der Sicht eines objektiven Beobachters evident ist, dass die Entblößung in einem sexuellen Kontext steht.

Dies ist anzunehmen: Wenn der Täter gezielt Aufmerksamkeit auf sein Glied als Sexualorgan lenkt.

Beispiele:

a) Dies ist nicht der Fall beim schon oben angesprochenen Urinieren in der Öffentlichkeit

b) Das ist auch nicht der Fall beim nackten Sonnenbaden in der Öffentlichkeit oder in einer Sauna

c) Auch „Flitzer“ bei öffentlichen Veranstaltungen, die sich entblößen um zu provozieren, begehen nach der überwiegenden Auffassung in der Fachliteratur und in der Rechtsprechung keine exhibitionistische Handlung.

4. Täter muss die Wahrnehmung seiner Entblößung durch andere wollen!

Sexualbezogene Entblößungen sind aber nur dann als exhibitionistische Handlung strafbar, wenn der Täter die Wahrnehmung seiner Handlung durch eine andere Person anstrebt! Nimmt der Täter lediglich in Kauf, dass ihn andere (etwa beim Masturbieren) beobachten können, liegt kein exhibitionistisches Verhalten im strafrechtlichen Sinn vor!

Beispiele:

a) Ein Mann der am helllichten Tage hinter einem Gebüsch im Park onaniert, wobei ihm egal ist ob er dabei gesehen wird oder nicht, macht sich nicht wegen Exhibitionismus strafbar!

b) Entkleidet sich der Täter zur Durchführung einer sexuellen Nötigung, ist er wegen (ggf. versuchter) sexueller Nötigung zu bestrafen, nicht aber wegen einer exhibitionistischen Handlung.

c) Nicht strafbar macht man sich ferner, wenn ein einverständlicher Sexualkontakt durch Präsentation des entblößten Gliedes vorbereitet werden soll, ohne dass das Vorzeigen für sich genommen den Täter sexuell stimuliert

d) Nähert sich ein Mann überraschend und mit entblößtem Glied einer anderen Person, wird man regelmäßig davon ausgehen können, dass er sich auch von der Wahrnehmung seines Geschlechtsteils eine Wirkung erhofft und es ihm deshalb auf die Wahrnehmung durch den anderen ankommt, was für die Annahme einer exhibitionistischen Handlung genügt.

5. Es muss sich jemand durch die exhibitionistische Handlung auch belästigt fühlen!

Für die Strafbarkeit ist zudem erforderlich, dass sich eine andere Person konkret belästigt fühlt. Dies muss konkret festgestellt werden: Allein aus der Tatsache, dass ein anderer die Handlung beobachtet hat, kann nicht geschlossen werden, dass er auch belästigt wurde.

Allerdings ist es ist nicht erforderlich, dass sich gerade das vom Exhibitionisten ausgewählte Opfer belästigt fühlt. Es genügt die Belästigung einer anderen die Handlung selbst wahrnehmenden Person, nicht aber die einer Person, die erst zu einem späteren Zeitpunkt von dem Vorfall Kenntnis erlangt.

Eine Belästigung hat folgende Voraussetzungen:

- Erstens muss die andere Person das Geschehen wahrnehmen und es als sexualbezogene Handlung verstehen, (was vor allem bei jüngeren Kindern, die oft nur neugierig reagieren, aber etwa auch bei geistig verwirrten Personen näher zu prüfen ist. Gerade bei Kindern ist darauf zu achten, ob die Belästigung erst zu einem späteren Zeitpunkt auf Grund der Reaktion der Eltern oder anderer Betreuungspersonen konstruiert wird).

- Zweitens muss das Opfer in erheblichem Ausmaß negative Gefühle wie Schrecken, Angst, Verärgerung, Ekel, Abscheu oder Verletzung des Schamgefühls empfunden haben. Reagiert die andere Person auf Grund ihrer Einstellung zu sexuellen Fragen nicht in dieser Weise, sondern entweder gleichgültig oder mit Emotionen wie Belustigung oder Mitleid, scheidet eine Bestrafung des Täters aus.

6. Absichtliche Präsentation des Geschlechtsteils und Absicht dass jemand anderes dies auch wahrnimmt!

Zu guter Letzt ist eine doppelte Absicht erforderlich: Zum einen muss die Präsentation des Geschlechtsteils absichtlich erfolgen, zum anderen muss diese Handlung von der Absicht der Wahrnehmung durch eine andere Person getragen sein

7. Welche Strafe erwartet einen bei exhibitionistischen Handlungen?

Handelt es sich bei dem Täter um einen Exhibitionisten im originären Sinne (der dies tatsächlich regelmäßig tut) muss geprüft werden ob dieser überhaupt schuldfähig ist oder dies nicht vielmehr auf einen krankhafte Störung zurückzuführen ist, die die Strafbarkeit ausschießen kann.

Bei der Strafzumessung ist zu beachten, dass der Gesetzgeber mit dem besonders niedrigen Strafrahmen die exhibitionistischen Handlungen bei den leichten Delikten eingeordnet hat. Die Eingriffe in die Privatsphäre und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wiegen wegen der typischerweise geringfügigen Beeinträchtigung des Opfers nicht schwer. Die der Tatschwere angemessene Sanktion liegt deshalb auch bei voller Schuldfähigkeit und bei Rückfalltaten regelmäßig in einer Geldstrafe. Außerdem ist immer auch an eine Verwarnung mit Strafvorbehalt (§ 59) zu denken. Eine Freiheitsstrafe kommt nur in seltenen Fällen in Betracht.

Eine zwischen sechs Monaten und einem Jahr liegende Freiheitsstrafe darf nur bei ganz besonders schweren Taten in Erwägung gezogen werden. Für einen typischen Exhibitionisten kommt auch bei mehreren Rückfalltaten der obere Bereich des Strafrahmens nicht in Frage.

Wer einer Sexualstraftat beschuldigt wird, braucht dringend einen kompetenten und erfahrenen Rechtsanwalt, der nicht nur durch Fachkunde und Kompetenz, sondern vor allem durch Erfahrung, Feinfühligkeit und Fingerspitzengefühl überzeugt. Dies liegt einerseits daran, dass der Vorwurf eines Sexualdelikts nicht selten instrumentalisiert wird, beispielsweise in der Folge von familiengerichtlichen Verfahren oder anderen Streitigkeiten, andererseits vor allem daran, dass der Vorwurf einer Sexualstraftat mit gravierenden rechtlichen aber auch persönlich-familiären Konsequenzen verbunden ist.

Darüber hinaus findet die Verteidigung auf dem Gebiet des Sexualstrafrechts vor dem Hintergrund einer hohen Emotionalisierung statt, weshalb die Verteidigung aber auch die Opfervertretung hier besonders darauf achten muss, dass das Verfahren nach rechtsstaatlichen Grundsätzen ohne Vorurteile und einer Emotionalisierung der Prozessorgane durchgeführt wird. Gleichzeitig sollte auch der verteidigende Rechtsanwalt die Belange des Opfers bei der Entwicklung der konkreten Verteidigungsstrategie im Auge behalten und in geeigneten Fällen als Strafmilderungsgrund zum Einsatz bringen.


Strafverfahren sind eine große Belastung und oftmals mit schwerwiegenden rechtlichen aber vor allem auch privaten Konsequenzen verbunden.

Daher empfiehlt es sich vor einer Aussage bei der Polizei unbedingt einen spezialisierten Anwalt zu Rate zu ziehen, um verfahrensentscheidende Nachteile zu verhindern! In Strafverfahren muss der Anwalt nämlich vor einer etwaigen Aussage immer zunächst Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen, um dann das weitere Vorgehen mit dem Mandanten abstimmen und ggf. entscheiden zu können, ob und wie für den Mandanten weiter vorgegangen wird - immer mit Blick auf das bestmögliche Ergebnis.

Eine gute anwaltliche Vertretung setzt neben einem Höchstmaß an fachlicher Kompetenz vor allem ein besonderes persönliches Engagement und Erfahrung im Umgang mit Polizei, Staatsanwaltschaft und vor allem Gericht voraus.
Aufgrund meiner sehr engen Spezialisierung auf das Sexualstrafrecht, nebst großer Erfahrung und universitärer Lehrtätigkeit garantiere ich meinen Mandanten optimale Leistungen und eine bestmögliche strafrechtliche Vertretung.

Da es uns wichtig ist, dass Sie sich bereits vorab ein umfassendes Bild von uns machen und uns unverbindlich kennen lernen können, kontaktieren Sie uns jederzeit und unverbindlich per E-Mail unter stevens@lucas-stevens.de oder rufen Sie uns unter Tel: 089/ 24 20 49 49 an und wir informieren Sie über Optionen zum weiteren Vorgehen, die Kosten und natürlich auch über strafrechtliche Möglichkeiten im Rahmen einer anwaltlichen Vertretung.